Auslandspraktikum
Über Erasmus+ konnte unsere Auszubildende drei Wochen auf Malta verbringen und dort ein Praktikum absolvieren. Ein Erfahrungsbericht von Gina Vanella.
3 Wochen auf Malta
Zwischen Strand und Visaanträgen:
Ich bin Gina Vanella und bin im zweiten Ausbildungsjahr zur Kauffrau für Büromanagement bei KS Büromöbel. Als ich von der Möglichkeit eines Auslandspraktikums hörte, war für mich schnell klar, dass ich mich bewerben wollte. Gemeinsam mit 13 weiteren Schüler:innen der Martin-Behaim-Schule verbrachte ich drei Wochen auf der Insel.
Ich bin selbstständiger, offener und mutiger geworden. Heute würde ich mir sogar zutrauen, alleine zu verreisen.
Die Bewerbung bei Erasmus+
Schnell sein und Englisch schreiben
Auf das Erasmus-Programm wurde ich durch meine Schule aufmerksam. Da die Plätze nach dem Prinzip „Wer zuerst kommt, hat bessere Chancen“ vergeben wurden, reichte ich meine Bewerbung direkt nach Öffnung des Anmeldefensters ein.
Die Vorbereitung war umfangreicher als gedacht. Wir mussten eine ausführliche Bewerbung auf Englisch schreiben und zahlreiche Formulare ausfüllen. Meine Arbeitskolleg:innen unterstützen mich jedoch dabei.
Vorfreude und leichte Zweifel
Abflug ins Unbekannte
Ganz ohne Zweifel ging es nicht los. Ich fragte mich vor allem, ob mein Englisch ausreichen würde und wie es sein würde, mehrere Wochen von zu Hause weg zu sein.
Beruhigend war für mich, dass meine Klassenkameradin Lara derselben Anwaltskanzlei zugeteilt war und wir uns ein Zimmer teilten.
Am Reisetag flog unsere Gruppe gemeinsam von Frankfurt nach Malta. Nach der Landung wurden wir abgeholt und zu unserer Unterkunft gebracht. Die Wohnung lag außerhalb von Valletta, war aber mit dem Bus gut an die Hauptstadt und unsere Arbeitsstelle angebunden.
Neben Lara und mir waren noch zwei französische Mitbewohner dort, die kaum Englisch sprachen. Die Verständigung war deshalb nicht immer einfach.
Für mich war es das erste Mal, dass ich meinen Alltag über längere Zeit selbst organisieren musste. Plötzlich gehörten Einkaufen, Wäschewaschen, Busverbindungen und pünktliches Aufstehen ganz selbstverständlich dazu.
Gemeinsam auf Erkundungstour
Der erste Tag in Valletta
Nachdem wir unsere Zimmer bezogen hatten, trafen wir uns mit der Gruppe und erkundeten am Abend Valletta. Die engen Gassen, die historischen Gebäude und die besondere Atmosphäre der Hauptstadt begeisterten mich sofort. Es war ein schöner Einstieg in unsere Zeit auf Malta, auch wenn Valletta im Alltag oft sehr voll und belebt war.
Anwaltskanzlei statt Möbelunternehmen
Am ersten Arbeitstag wurden Lara und ich freundlich in der Anwaltskanzlei empfangen. Zunächst zeigte man uns die Räume und erklärte uns die verschiedenen Arbeitsbereiche.
Kurz darauf durften wir das Gericht besuchen und dort Akten abgeben. Besonders spannend fand ich es, einen Gerichtssaal von innen zu sehen und einen ersten Eindruck vom maltesischen Justizsystem zu bekommen.
Unser Arbeitstag dauerte in der Regel von 9 bis 17 Uhr. Wir bearbeiteten unter anderem Visumanträge, bereiteten Akten vor und unterstützten bei organisatorischen Aufgaben. Außerdem besuchten wir ein Amt und lernten dort weitere Abläufe kennen.
Obwohl die Kanzlei zunächst wenig mit meiner Ausbildung bei KS Büromöbel gemeinsam zu haben schien, entdeckte ich schnell Parallelen. Sie nutzte beispielsweise dasselbe Rechnungssystem.
Arbeiten auf Malta ist anders
Das Arbeitsleben auf Malta war lockerer und persönlicher als das, was ich aus Deutschland kannte. Gleichzeitig wurden Aufgaben nicht immer im Voraus geplant oder direkt am Morgen verteilt. An einigen Tagen hätte ich mir deshalb mehr Aufgaben und eine klarere Struktur gewünscht.
Auch formale Unterschiede fielen mir auf. Geschäftsbriefe werden dort nicht nach denselben DIN-Vorgaben gestaltet wie in Deutschland. Einmal sollten wir außerdem einen Brief auf Maltesisch ins Englische übertragen. Dabei half uns eine KI-Anwendung.
Gerade diese Unterschiede machten das Praktikum interessant. Ich konnte vergleichen, wie Arbeitsabläufe in einem anderen Land organisiert werden und welche Strukturen mir persönlich wichtig sind.
Allein zum Amt
Ein Erlebnis machte mich besonders stolz. Für eine Aufgabe musste ich alleine ein Amt aufsuchen und dort auf Englisch erklären, welche Information ich benötigte.
Vor dem Praktikum hätte ich mir das wahrscheinlich nicht zugetraut. Doch es funktionierte. Ich konnte mein Anliegen erklären und bekam die benötigte Auskunft.
In diesem Moment merkte ich, dass ich auch ohne Unterstützung zurechtkomme. Nach vier Jahren Schulenglisch war ich selbst überrascht, wie gut die Verständigung klappte. Niemand sprach perfekt, aber man verstand sich trotzdem.
Feierabend mit Meerblick
Nach der Arbeit blieb genügend Zeit, die Insel zu entdecken. Besonders gerne war ich am Meer. Wir besuchten unter anderem die Golden Bay und den St. Peter’s Pool, verbrachten viele Stunden am Wasser und sprangen von den Klippen ins Meer.
Ein Höhepunkt war die Bootstour zur Blue Lagoon. Das Wasser war klar und türkis, wir konnten schwimmen und entspannen. Während der Fahrt sahen wir sogar Delfine.
An einem Wochenende kamen außerdem Freundinnen aus meiner Klasse zu Besuch.
Auch die Abende verbrachten wir häufig gemeinsam. Wir gingen essen, besuchten Strandbars oder spazierten durch die Orte.
Eine Gruppe wächst zusammen
Alle Teilnehmer:innen kamen zwar von derselben Schule, viele kannten sich vorher aber kaum. Durch das gemeinsame Wohnen, Arbeiten und Reisen wuchsen wir schnell als Gruppe zusammen.
Am letzten Abend besuchten wir gemeinsam eine All-White-Party und ließen die drei Wochen ausklingen.
Neben den großen Ausflügen bleiben mir auch einige ungewöhnliche Momente in Erinnerung. Obwohl wir mitten in der Stadt wohnten, wurden wir jeden Morgen von einem Hahn geweckt. Einmal erschütterte eine Explosion in einer Fabrik die Umgebung so stark, dass sogar unser Haus wackelte.
Mehr Mut und weniger Gepäck
Das Auslandspraktikum hat mir vor allem persönlich viel gebracht. Ich bin selbstständiger, offener und mutiger geworden. Heute würde ich mir sogar zutrauen, alleine zu verreisen. Das hätte ich vorher nicht in Erwägung gezogen.
Anderen Auszubildenden würde ich deshalb raten, eine solche Gelegenheit unbedingt zu nutzen. Man muss nicht perfekt Englisch sprechen und auch nicht auf jede Situation vorbereitet sein. Vieles ergibt sich erst vor Ort.
Ganz praktisch würde ich beim nächsten Mal weniger Gepäck mitnehmen.
Für mich war das Auslandspraktikum auf jeden Fall eine wertvolle und schöne Erfahrung.
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